iku System für Quartiere

Das iku System: Die autarken Quartiere
© Dezember 2015 IKU Institut für Kommunal- und Umweltplanung UG (haftungsbeschränkt)
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere die der Kopie, der Speicherung, der Veröffentlichung in gedruckten oder elektonischen Medien, der Übersetzung und Verarbeitung, auch einzelner Teile.

Von Hans-Friedrich Bültmann, Stadtplaner und Kommunalentwickler

Der sozial-ökonomische Umbau der Gesellschaft.
Auf der Grundlage des Grundgesetzes, der Menschenrechte,
der Menschenwürde und der Menschlichkeit, zur Stärkung
der Gemeinschaft.

Die immer noch zunehmende Atomisierung der Gesellschaft kann durch die Bildung von Quartieren gestoppt und umgekehrt werden.

Durch die Isolation der Menschen entstehen unnötige volkswirtschaftliche Kosten, die zum großen Teil gespart werden können, wenn die Kraft der menschlichen Gemeinschaft als höchster Wert definiert und eingesetzt wird. Nur die Gemeinschaft ist in der Lage, den Menschen das zu geben, was sie sehr dringend benötigen – menschliche Nähe und Wärme. Der Staat kann das kaum noch leisten und stößt an die Grenzen seiner Möglichkeiten – und Fähigkeiten.

Die Menschen entwickeln neue Gemeinschaften, die Ihrer Bestimmung entsprechen und helfen sich und Ihrem Staat somit „von unten“.
„Unten und oben“ ergänzen und helfen sich gegenseitig, zur Wahrung des kostbaren Friedens und zur Erlangung der höchst möglichen Menschlichkeit.

Es wird ein Prozess eingeleitet, der die Gesellschaft wieder zur Normalität führen kann, zu Einfachheit und Bescheidenheit, Lebensglück und -freude. Die Menschheit hat sich über Gruppen entwickelt und benötigt auch weiterhin die Gruppe, um menschengerecht Leben und überleben zu können.

Die idealen und natürlichen Quartiergrößen liegen zwischen 1.000 und 4.000 Menschen. Das Idealquartier mit ca. 3.000 Menschen hat eine räumliche Ausdehnung von ein bis zwei Kilometern und beinhaltet die Mischung aller benötigten Funktionen, um quasi autark sein zu können. Im Kernbereich mit ca. 500 Metern Ausdehnung werden alle Funktionen wohnverträglich vermischt, um für alle die Erreichbarkeit der Versorgungseinrichtungen ohne Nutzung eines PKW zu sichern (Rollator Distanz). Im Zentrum des Quartiers werden der Marktplatz und das Bürgerhaus entwickelt. Im Bürgerhaus befindet sich der Laden für die Grundversorgung, nach dem DORV-Konzept, die Tagesgastronomie, der Bürger- und Gastraum und das Gesundheitshaus (Pflegedienst).

Für das Quartier wird ein Masterplan erarbeitet, der nach kurz-, mittel- und langfristigen Zielen, alle Elemente wie Soziales, Infrastruktur, Gebäude, Ökonomie und Ökologie beinhaltet. In monatlichen Bürgerversammlungen und 14-tägigen Treffen der Arbeitsgruppen werden alle anstehenden Themen nach dem Endlosprinzip eingeleitet, besprochen, diskutiert und in den dynamischen Masterplan weiter integriert.

Der Masterplan wird vom IKU erarbeitet und regelmäßig fortgeschrieben. Das IKU übernimmt die Moderation der Bürger- und Arbeitsgruppen-Versammlungen, fasst die Ergebnisse zusammen und übermittelt diese gemeinsam mit den Bürgersprecherinnen und -sprechern an die zuständigen politischen Vertreter, zur Fassung der entsprechenden Beschlüsse, als Auftrag für die Verwaltung, unter Berücksichtigung der gesamtstädtischen Belange.

1. Soziales

An den Bürgerversammlungen und in den Arbeitsgruppen kann jeder, der will, teilnehmen und mitmachen.

Im Bürgerhaus, das 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr für jeden Bürger geöffnet ist, erhalten die Menschen alles, was Sie für Leib und Seele benötigen.

Im Bürgerraum kann man ohne Verzehrzwang solange man will verweilen und sich beschäftigen. Es ist der Ort der zwanglosen und nicht organisierten Begegnungen, der Markt der Möglichkeiten, die „Sozialstation“.
Das tiefste Handlungsprinzip beruht darauf, ein sicheres, erlebnisreiches und bespielbares Quartier für die Kinder und damit auch für die älteren Menschen zu entwickeln und die Kinderarmut so schnell wie möglich zu beenden.

Die Förderung der jungen Familien bildet einen weiteren Schwerpunkt zur Verjüngung der Gesellschaft. Die Hauptkraft für alle Veränderungen besitzt die junge Generation, die – voll verantwortlich für ihre eigene Zukunft – das Recht und die Pflicht hat, die „Welt neu zu erfinden“. Mit den 20- bis 30-Jährigen sind die Visionen für die Zukunft zu entwickeln und im Masterplan festzuschreiben.

Das Quartier wird für ein modernes Mehrgenerationenwohnen und -leben umgestaltet, so dass die Generationen sich wieder austauschen, ergänzen, helfen und unterstützen können.
Die Leistungen für die Gemeinschaft werden zeitlich erfasst und als „bewertetes Ehrenamt“ verrechnet, vergütet oder gutgeschrieben. Hierdurch ist es Beispielsweise möglich, nur 30 Stunden im Hauptberuf zu arbeiten und zehn Stunden oder mehr in die Gemeinschaft einzubringen. Hierdurch wird der Erwerbsdruck reduziert und durch „erfülltes Tun“ ausgeglichen.

Die junge Selbstständigkeit wird gefördert und maximal abgesichert.

2. Infrastruktur

Die technische Infrastruktur wird, wo immer möglich, vereinfacht, entsiegelt und zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen zurückgebaut.
Prinzipiell wird das Regenwasser wieder oberirdisch geführt, das Schmutzwasser als Wertstoff im Pyrolyseverfahren zu Terra Preta umd als nicht synthetischer Dünger genutzt. Das Trinkwasser wird über Wassergewinnungsgemeinschaften dezentral gewonnen. Schadstoffe, Boden- und Altlasten werden beseitigt.

Primär wird ein neues Fuß- und Radwegenetz über das vorhandene Straßennetz gelegt. Der Bestand wird nach und nach umgebaut.

Die schwachen Verkehrsteilnehmer haben Vorrang vor dem Individualverkehr. An Konfliktstellen werden Spielstraßen mit Tempo 20, als Begegnungszonen realisiert, sodass ein insgesamt sicheres und durchgängig bespielbares Quartier entsteht. Zäune und Abgrenzungen werden, so weit wie möglich, entfernt. Das Quartier wird durchlässig und transparent.

3. Gebäude

Die soziale und energetische Gebäudesanierung sieht eine Umwandlung zum Mehrgenerationenwohnen vor.

Chemische Dämmstoffe werden vermieden, Altgebäude werden ummauert oder mit Glashäusern um puffert.

Die Starterhäuser als Neubauten in schadstofffreier Massivholzbauweise sind für das Bauen ab 25 – als mit dem Familienzyklus mitwachsende Familienhäuser – vom IKU konzipiert worden. Der Start kann ab 40 Quadratmetern erfolgen, jedes einzelne Gebäude ist bis auf 220 Quadratmeter erweiter- und in vier Einheiten gliederbar.

Im Kernbereich der Quartiere werden alle Funktionen (auch dreidimensional) vermischt und baulich verdichtet. Jede Straße wird beidseitig genutzt, die Gebäude sichern den Schallschutz zu den Hauptstraßen.

4. Ökonomie

Die Gebäude- und Wohnfolgekosten (Wasser und Energie) werden durch die verschiedenen Maßnahmen reduziert. Durch die Verdichtung im Kernbereich werden weitere Kosten gespart.

Der landwirtschaftliche Betrieb im Quartier, der von allen, die sich hieran mit beteiligen wollen, gemeinsam betrieben wird, reduziert die Kosten für Obst, Gemüse, Kräuter, Milchprodukte, Fisch und Fleisch.

Handwerk, Gewerbe und Dienstleistungen im und für das Quartier können die Kosten weiter senken, sorgen für Arbeitsplätze, bereichern das Ganze und sorgen für Leben und Lebendigkeit.

Die allgegenwärtige Zwangsmobilität wird insgesamt überwunden, so dass geringere Mobilitätskosten entstehen. Elektrische Mobilität und die Fahrrad- und Feinmechaniker-Werkstatt am Bürgerhaus entlasten weiter die Budgets und die Umwelt.

5. Ökologie

Das Quartier wird insgesamt landwirtschaftlich genutzt, maximal entsiegelt und über Regenwasserrückhaltungen, die als Naturbadeteiche genutzt werden können, „gekühlt“.

Intensive Fassadenbepflanzungen und bewirtschaftete Flachdächer sorgen für weitere Kühlung,CO2-Bindung und Sauerstoffbildung. Es werden Obstbäume und Hecken angepflanzt.

Das Mikroklima wird deutlich verbessert, so dass sommer- und winterliche Spitzenwerte abgemildert werden können. Primär wird Wärme über Solarthermieanlagen an den Gebäudefassaden und in
Schallschutzwänden erzeugt und in saisonalen Wärmespeichern für den Winter gesichert.

Photovoltaik-Anlagen, Blockheizkraftwerke (BHKW) und das Prozessgas, das im Pyrolyseverfahren zur Umwandlung des Schmutzwassers entsteht, ergänzen den dezentralen Energiemix und sorgen für niedrigere Energiekosten. Wohnungen und Häuser werden auch mit trockenem Holz geheizt, um eine gesunde Strahlungswärme zu erhalten.

Über einen integrierten Schulbauernhof und eine (Kunst-) Handwerkerschule werden die Landwirtschaft, das Handwerk und die Kunst gefördert und den Kindern und den jungen Menschen näher gebracht. Das Bildungssystem ist dual, Kindergärten und Grundschulen werden in einem Gebäude als Kinderzentrum und in Kombination mit dem Bürgerhaus als Familienzentrum entwickelt.

Übergänge zur freien Landschaft oder zu Nachbarquartieren werden natürlich und kleinteilig gestaltet, um die Artenvielfalt zu fördern. Störende Gebäude oder Versiegelungen werden hier mittel- und langfristig zugunsten von neuen landwirtschaftlichen Flächen oder Naturflächen zurückgebaut. Besondere Bereiche bleiben sich selbst überlassen und entwickeln sich zu „Urwäldern“ oder „Urräumen“.

Das Bauen (Gebäude), die kleinteilige Landwirtschaft und die (Natur-) Medizin kommen insgesamt ohne belastende Schadstoffe aus und entlasten somit die Böden, das Grundwasser, Menschen, Tiere und Pflanzen. Das Quartier ist CO2-neutral und ist in der Lage, weiteres CO2 zu binden, es benötigt keine fossilen Brennstoffe oder Grundstoffe, wirtschaftet in Kreisläufen und stimmt sich mit den Nachbarquartieren ab.

Es entwickelt sich ein eigener dezentraler Markt, der in Verbindung zu den Nachbarquartieren und zur Gesamtstadt steht. Die Quartiere entwickeln sich zu gesunden und vitalen (Stadt-) Zellen, die die Gesamtstadt positiv beeinflussen und insgesamt stärken. Die Städte können auf diesem Weg mittelfristig entschuldet werden. Eine Gentrifizierung wird ausgeschlossen.